Ich liebe den Staubsauger.

Ich bin 18 Monate und 29 Tage alt.


Mama hat ja so einige tolle Tools, aber mein Favorit ist der Staubsauger – das Blöde daran ist nur, dass die Mama damit Staub saugen will. Ich hingegen möchte mir einfach nur das Staubsaugerrohr an den Mund halten. Es ist total lustig, wenn die Lippe so eingesaugt wird. Es macht lustige Geräusche und es fühlt sich lustig an. Mama findet das leider immer nur eine beschränkte Zeit lustig. Wenn sie also den Staubsauger auspackt, darf ich nicht gleich ran.

„Ich sauge jetzt ein bisschen und dann kannst du ihn haben.“, heißt es da immer. Na gut. Wenn es dann endlich so weit ist und ich mit dem Staubsauger spielen darf, heißt es nach einiger Zeit wieder: „Mäuslein, du kannst ihn gleich wieder haben. Ich sauge schnell durchs Vorzimmer/Bad/Wickelzimmer und dann gehört er wieder dir.“ Hach, dieses schnelle Saugen geht mir immer viel zu langsam. Deshalb ist das meist der Punkt, an dem ich dazu übergehen, den Staubsauger abzudrehen. Nach einigen „Dreh den Staubsauger bitte wieder auf.“ folgt meist ein „Lass es jetzt gut sein!“ So streiten Mama und ich also hin und her um dieses wundervolle Ding, bis Mama endlich fertig ist mit Saugen und der beste Teil kommt: Das Kabel verschwindet – schwuppdiwupp – wie von Zauberhand im Staubsauger. Wie geht das bloß? Aber statt mir das zu erklären, sagt Mama nur, dass sie sich das alles gut merken muss, denn es wird der Tag kommen, an dem sie mit mir darum streitet, dass ich den Staubsauger benutzen soll, aber nicht will. Ich bin sehr gespannt auf diesen Tag.

Die Frau Wasseringenieur.

Ich bin 18 Monate und 25 Tage alt.


Diesen Titel hat mir Mama verliehen und sich selbst die Bezeichnung „Assistentin der Frau Wasseringenieur.“ Als solche hat meine liebe Mutter einen wichtigen Job: Dafür sorgen, dass meine Gießkannen immer voll sind. Denn nur mit genügend Wasser kann ich meine Arbeit verrichten – das Wasser in einem variablen Ablauf in unterschiedliche Behältnisse umfüllen. Zuerst von der Gießkanne ins Küberl, vom Küberl ins alte Tupperwaregeschirr und von dort zum Beispiel mitten auf die Terrasse. Gerne auch auf den Kiesweg, eher ungern in die Wiese oder in die Blumen. Da sieht man ja nix mehr davon. Wenn Mama mir bei meiner Arbeit als Wasseringenieurin zusieht, fragt sie mich immer, ob ich eine Plan hätte. Aber natürlich habe ich den: Soviel wie geht, nass machen, am besten inklusive anwesender Personen.

Ich fühle mich missverstanden.

Ich bin 18 Monate und 22 Tage alt.


Das passiert mir in letzter Zeit dauernd. Es kommt sogar mehrmals am Tag vor, dass ich etwas sage und dann – dann schaut mich Mama an. Sehr konzentriert schaut sie mich an. Mit zusammengekniffenen Augen betrachtet sie mich. Und ich schaue Mama an. Die sagt dann etwas, das völlig aus dem Kontext gerissen scheint, passt rein gar nicht zu dem Thema, das ich soeben angeschnitten hatte. Also schaue ich sie weiter an. Mit zweifelndem Blick schaue ich – kann einen die eigene Mutter nicht verstehen können? Sie wiederum schaut mich fragend an und startet eventuell noch einen Versuch, zu wiederholen, was ich eben sagte. Aber nope – ich bleibe oft missverstanden.

Manchmal meint sie, ich solle doch wiederholen, was ich soeben gesagt habe, denn sie hätte mich nicht verstanden. Mache ich eher ungern, das Wiederholen. Momente später – also wahre Ewigkeiten – wiederholt sie plötzlich ganz laut und deutlich, was ich zuvor ausgesprochen hatte: Biskotten willst du!! Oder: Wir sollen die Matte runterholen!! Aber auch: Du willst in den Garten rausgehen!! So erstaunt von ihrem Verständnis ist sie – gerade dass sie sich im Moment der Erkenntnis nicht mit der flachen Hand an die Stirn klatscht – wäre aber passend bei der langen Leitung.

2 Worte sind ein Satz?

Ich bin 18 Monate und 18 Tage alt.


Mama ist ganz hin und weg, weil ich angeblich in Sätzen spreche. Tatsächlich? Ein Wort kann ein Satz sein?

Denn Buchanschauen und Ballspielen klingen für mich wie genau das. Aber Mama sagt, es sind 2 Worte. Und wenn es um Grammatik geht, vertraue ich meiner Mutter. Am meisten hat sie auf alle Fälle gelacht, als ich gleich 3 Worte auf einmal verwendet habe. Mama hat mich gefragt, ob sie mich einschmieren soll und da konnte ich natürlich nur sagen: Nein brauchen, danke.

Ohne Abendessen ins Bett.

Ich bin 18 Monate und 15 Tage alt.


Ja, gestern Abend war’s so weit: Ich musste ohne Abendessen ins Bett. Ich musste das übrigens, weil ich das wollte. Erst hat mich Mama gefragt, ob ich Hunger habe – hatte ich nicht, also habe ich die Frage mit Nein beantwortet. Etwas später wollte sie wissen, ob ich etwas essen möchte und wiederum später hat sie mir Grießkoch mit Birnenmus angetragen.

Aber ich wollte nicht und das Tolle ist, dass ich das jetzt sagen kann! Ich muss nicht erst warten, bis Mama mir etwas zu essen gemacht hat und dann dadurch, dass ich das Essen nicht anrühre, signalisieren, dass ich frei von Hunger- wie Gustogefühlen bin. Nein, ich kann einfach „Nein“ sagen und meinen, wenn Mama wissen will, ob mein Bäuchlein leer ist. Und das war nach dem Familiennachmittag gestern, nach gegrillten Henderln und Kuchen und dann Würsterln und dann Keksen und zwischendurch Brot mit Ketchup so voll, dass ich am Abend echt nichts mehr gebraucht habe. Aber danke der Nachfrage, Mama.

Ich habe das letzte Wort.

Ich bin 18 Monate und 12 Tage alt.


Ich will sprechen lernen, lernen, lernen. Doch wenn die großen Menschen reden, sagen sie immer gleich so viel auf einmal. Gut, oft genug kommt es vor, dass die Konversation nur aus einem bis wenigen Worten besteht: Nicht, Es ist genug jetzt, Mäuslein! Doch meist und vor allem, wenn die Großen untereinander reden, ergießen sich ganze Wortfluten. Weil ich mir das nicht alles merken kann, hab ich mich aufs letzte Wort in einem Satz spezialisiert. Ich warte das ab und sag es dann nach: Ausse (also draußen), scho (soll heißen schon) und noch viel mehr habe ich so gelernt.

Und letztens als Mama Wasser vermischt mit Kakao in der ganzen Küche verteilt hat und diese Masse überall war – in den Fliesenfugen, auf den Küchenmöbeln, in den Küchenladen und sogar auf der weißen Wand, da hab ich Oida! gelernt. So sagen wir hier Alter! Und das war nicht nur das letzte Wort in Mamas Satz, sondern kam sehr oft in der Wortflut, die auf die Kakaoflut folgte, vor. So hab ich es gut genug gehört, um es geraume Zeit an diesem Tag, von mir zu geben: O-dda! O-dda! O-dda! hab ich geplappert und Mama hat mich etwas verzweifelt angesehen. Ja, ich weiß. Ich muss noch üben, bis ich das I hinterm O hinkriege: Oida!

Nein, danke!

Ich bin 18 Monate und 8 Tage alt.


Vor kurzem habe ich umgestellt: Das einfache „Nein“ wurde zum „Nein, danke“ erweitert. Ich muss sagen, das kommt gut an. So gut, dass ich es einfach immer benutze – halt mit einem T statt eines K. Nicht nur die Frage nach einem weiteren Bissen beantworte ich mit „Nein, dante“, auch Folgendes:

Maus, nimmst du deine Flasche mit hinein? – Nein, dante.
Willst du eine Runde mit dem Laufrad fahren? – Nein, dante.
Es wird Zeit, die Zähne zu putzen. – Nein, dante.
Magst du mit dem Papa mitgehen? – Nein, dante.
Komm, wir ziehen dir die Schuhe aus. – Nein, dante.

Dieser neue Zusatz sorgt dafür, dass meine Ablehnung gegenüber jedweden Dingen sehr viel entspannter aufgenommen wird. Lachen tut sie jetzt, die Mama, wenn ich Nein – also Nein, dante. – sage.