Die Maus braucht ein Handtuch!

Ich bin 19 Monate und 22 Tage alt.


Ich habe ein neues Lieblingsbuch. Obwohl es eigentlich nicht neu ist. Neu ist nur, dass ich es momentan sehr gerne mag. Da wären die ersten beiden Seiten, von denen Mama mir die Reime öfters vorlesen muss und da wäre die nächste Geschichte, die ich gerne gleich ein paar Mal hintereinander höre. Ein, zwei, drei Seiten umblättern später gibt es ein Zebra, das seinen Schlüffer und noch mehr anzieht und noch ein Stück weiter ist die kleine Maus. Die muss unter der Dusche, weil sie so schmutzig ist, aber man stelle sich vor! Sie hat dann kein Handtuch zum Abtrocknen!

Also hole ich jedes Mal, wenn wir bei dieser Geschichte sind einfach eines und rubble sie trocken.

Also hole ich jedes Mal, wenn wir bei dieser Geschichte sind einfach eines und rubble sie trocken.

Für mich bitte ein Glas Uah!!

Ich bin 19 Monate und 19 Tage alt.


Mama fragt mich mehrmals am Tag: Hast du Durst? Möchtest du was trinken? Ich brauch einen Schluck Wasser, du auch?

Nein. Nein. Und nein lautet meine Antwort meist. Ich komme ohne viel Wasser durch den Tag. Wozu auch, am Abend in der Dusche trinke ich die leer – wird zumindest von meinen Eltern behauptet. Ich meinerseits hätte nämlich noch nicht erlebt, dass kein Wasser mehr aus der Brause kommt. So lange ich meinen Mund auch sperrangelweit geöffnet darunter halte, immer rinnt da Wasser raus und in mich rein. So mag ich das Wasser auch – sprudelnd. Darum verlange ich jetzt – wenn ich mich dann doch mal durstig fühle – Kugalwassa. Ich erkenne den Unterschied zu normalem Wasser genau, das Kugalwassa kommt nämlich stets aus einer Flasche. Aber auch da gibt es Unterschiede: Manches sprudelt weniger, manches mehr. Manches hat Zimmertemperatur, anderes ist kalt. Eiskalt gar. Und manchmal, manchmal da ist das Wasser sogar bunt!

Wenn ich ein Glas voll solchem Wasser auf dem Tisch entdecke, muss ich es sofort haben. Das will ich sofort leer trinken. Sogar wenn ich zuvor meinen Durst an normalem Wasser gestillt habe. Ich zeige also auf das bunte Wasser und verlange „Uah!!“ Ich bin total aufgeregt, möchte vom Sessel springen und verziehe meinen Mund, um jeden Vokal nachhaltig zu betonen: Uah!! So heißt das bunte, sprudelnde, kalte Wasser nämlich bei mir. Denn wenn man es trinkt, da bleibt einem nichts anderes, als zu sagen „Uah!!“

Ein Mal ist noch Mal.

Ich bin 19 Monate und 15 Tage alt.


Wenn ich in letzter Zeit etwas Bestimmtes tun möchte, dann hänge ich gerne ein „ein Maj“, also „ein Mal“, hinten dran:

  • Mabie anschaun – ein Maj. (Die Mabie ist eine Freundin von mir. Ich liebe es, mir Fotos von ihr anzuschauen.)
  • I-ona spingt – ein Maj. (Die Ilona ist mein Holzhund auf Rädern und ich mag es, wenn Mama sie so über den geschwungenen Sessel fahren lässt, dass sie hoch-hoch in die Luft springt und auf der Couch landet.)
  • Mami meißen – ein Maj. (Wenn die Mama auf dem Bett sitzt, dann schmeiße ich sie gerne um. Ich fliege dann meist mit ihr um, aber das ist eh lustig.)

Zur Verstärkung des „ein Maj“ hebe ich meine Hand und zeige Finger her. Mama macht das schließlich auch, wenn sie zu mir sagt „Gut, ein Mal.“ Wenn ich meinen Wunsch dann erfüllt bekomme, sage ich „Noch Maj!“ Das führt nämlich dazu, dass wir das Ganze noch Mal machen, auch wenn Mama mir vorher erklärt, dass ich nach nur einem Mal verlangt habe.
Sie sagt dann erst: Gut, ein Mal noch.
Nach einem weiteren „Noch Maj“ von mir, folgt von ihr: Das ist aber das letzte Mal.
Woraufhin ich „Noch Maj“ will und Mama antwortet: Das ist jetzt aber das allerletzte Mal.

Was sie mit diesem einen Mal bezwecken will, ist mir nicht ganz klar. Klar ist mir, dass ein „Noch Maj“ eine Wiederholung einer von mir gewünschten Tätigkeit zur Folge hat – mehr  muss ich nicht wissen.

Schmauel-Zeit.

Ich bin 19 Monate und 12 Tage alt.


Ich bin nicht die große Schmuserin – Schmaulerin wie Mama sagt. Es geht aber auch nicht, dass wir den ganzen Tag nur kuscheln, so wie Mama das gern tun würde. Es gibt andere Dinge zu tun: Meinen Sessel als Wagerl verwenden und damit durchs Wohnzimmer zischen, Bücher anschauen, noch lieber Fotobücher anschauen, mit Omas, Tanten und Cousinen spielen, die Ilona – das ist mein Holzhund – vom Sessel springen lassen, die ganzen Schachterln und Dosen aufmachen, die immer am Tisch für mich zum Erforschen bereit liegen, Omas zeichnen und alles nachquatschen, was die Großen miteinander tratschen. Und noch viel mehr gibt es zu tun.

Und trotzdem. Trotz dieses riesigen Aufgabenbereichs gibt es doch Gelegenheiten, an denen ich mich einfach nur an Mamas Hals schmiegen will und alle Bussis, die sie austeilen möchte, gerne entgegen nehme. Diese Gelegenheiten sind eigentlich immer zur selben Zeit – dann, wenn es Zeit ist, Zähne zu putzen. Wenn Mama mich vor das Waschbecken stellt, Zahnpasta auf meine Zahnbürste drückt und mir selbige Komination in die Hand, dann will ich nix anderes tun als schmaueln, schmusen und noch mal kuscheln. Mama lässt sich das sehr gerne gefallen. Leider nur beschränkte Zeit. Irgendwann sagt sie dann immer: „Jetzt ist nicht Schmauel-Zeit, du Zwetschke, jetzt wird zähnegeputzt.“ Naja, dann kann sie sich aber hinterher nicht beschweren, dass ich selten schmusen will, gell.

Hajo!

Ich bin 19 Monate und 8 Tage alt.


Zur Zeit begrüße ich die Menschen um mich herum gerne. Wenn Mama mit mir einkaufen geht und ich sicher auf meinen Platz im Einkaufswagerl throne, sage ich zu jedem, den ich sehe „Hajo!“ Mama macht mich dann manchmal nach und sagt auch Hallo! Hallo! Hallo! Im Gegensatz zu mir bekommt sie aber kein Lächeln zur Begrüßung – die kriege alle ich. Ich sage so gern Hajo!, dass ich dafür keinen Anlass brauche. Einfach so kommt es bei mancher Gelegenheit aus mir raus: Hajo, Mami, Hajo! Als Antwort folgt meist ein Hallo, mein Schatz!, worauf ich wieder ein Hajo! oder sogar ein Hajo-jo! retourniere. Und wieder eins bekomme, eventuell mit einem Bussi oben drauf.

Auch morgens werfe ich meinen Eltern gleich ein fröhliches Hajo! entgegen – außer mich beschäftigt gerade ein anderer Gedanke, etwa wer einen Bart trägt. Dann sage ich mit dem ersten Augenaufschlag  Mäh-schon, Tatte (Katze)-nicht. Aber das ist eine Ausnahme, meist beginnt der Tag mit einem Hajo! – bzw. endet die Nachtruhe damit. Denn wenn ich beim Schlafen munter werde und zu Mama und Papa ins Bett krabble, sage ich natürlich auch Hajo Mama! Hajo Papa! Da ist die Antwort dann aber meist: Schlaf einfach weiter, Schatz.

Zeichenminute.

Ich bin 19 Monate und 5 Tage alt.


Manchmal da ist mir nach zeichnen. Was ich dann tue, ist ganz klar: Ich klettere auf den Sessel am Tisch, wo viel Zeugs und die Zeichensachen liegen und verlange Oma! Oma! Mama braucht noch immer ein bisschen, bis sie das Codewort versteht. Aber ihre Zeiten sind schon viel besser geworden: „Du willst eine Oma zeichnen!“, fällt ihr mittlerweile schon viel schneller ein als früher.

Und dann zeichnen wir – zuerst zeichne ich eine Oma und dann Mama, die hartnäckig dabei bleibt, meine Omas Gekritzel und ihre Strichmännchen zu nennen. Aber egal, wer die Omas zeichnet und wie sie ausschauen, ich darf die Farben aussuchen. Wir machen blaue Omas mit rotem Haar genauso wie braune Omas mit grünem Schopf. Mir gefallen die, nur Mama meint, dass wir den echten Omas unsere Kunstwerke lieber nicht zeigen. Ich meine, sie werden sie schon mögen, wie einfach alles, was ich tue.

Spitznamen-Update.

Nun ja, es ist Mal wieder so weit: Ich habe neue Namen bekommen, die aber sicher nicht in meiner Geburtsurkunde stehen:

Mein Echo – So sagt Mama zu mir immer, wenn ich versuche nachzuplappern, was sie gerade gesagt hat. Und das versuche ich oft. Leider merke ich mir aber meist nur das letzte Wort.

Sklaventreiberin/Tyrannin – Ersteres verwendet Papa, Letzteres eher Mama, wenn ich einfach nur sage, was ich will: Mama, komm her! zum Beispiel. Oder auch Mit! – dazu nehme ich die Hand der betreffenden Person und zerre sie in die Richtung, in die ich mit eben jener Person gehen will. Mama folgt mir leider nicht immer. Sie sagt dann eben, ich sei eine kleine Tyrannin und dass ich diesen Wesenszug lieber bei den Omas oder Opa ausleben solle, die folgen viel eher auf mein Wort.

Conan – Das ist ziemlich neu. Meist höre ich es, wenn ich etwas tue, was ich auf keinen Fall tun soll: Wasser über Papas Hut gießen, nachdem mir gesagt wurde, dass der kein Wasser verträgt. Oder mich an das Regal hängen, das in meiner Greifweite ist, nachdem mir bereits 2 Mal mitgeteilt wurde, dass ich das nicht tun soll, weil es selbst mein Fliegengewicht auf Dauer nicht aushalten wird. Das erste Mal habe ich „Conan“ gehört, als ich einen Stein auf den Parkettboden schmeißen wollte. Den großen Stein in meiner erhobenen Hand stand ich mitten im Wohnzimmer und sowohl Mama als auch Papa haben mir gesagt – nein geschrien – dass ich den ja nicht werfen soll. Als Mama dann im Anflug aus der Küche war, um mich aufzuhalten, habe ich ihn trotzdem geschmissen. Ui, ui. Da konnte ich mir was anhören! Dass das mutwilliger Zerstörungswille sei, der hier als barbarisch empfunden wird und darum heiße ich jetzt so wie der aufgeblasene Kerl in dem Film Conan, der Barbar.

Am meisten höre ich dieser Tage aber Zuckerzwetschke. Ganz ganz oft höre ich das. Dazu gibt es auch ein Spiel: Mama fragt mich, ob ich ihre Zuckerzwetschke sei und ich sage dann „Nein.“ Also fragt mich Mama, was ich denn dann sei. „Mausi.“, sage ich dann und kriegeeinen dicken Kuss.