Bussi geben nicht heißt Bussi geben nicht.

Ich bin 21 Monate und 28 Tage alt.


Ich habe hier schon mal von der Bussi-Inflation all- und besonders mütterlicherseits berichtet. Prinzipiell hat sich nicht wirklich etwas geändert – in einer Tour kriege ich Schmatzer und Küsse und Bussis. Nachdem mir genau das manchmal zuviel ist, habe ich eben begonnen, das Ganze einzuschränken und „Bussi geben nicht“ verlangt, woran sich die Mama auch brav hält – und dann auch wieder nicht.

Die Sache ist nämlich die: Ich verlange „Bussi geben nicht“ meist, wenn ich gerade eins bekommen habe. Einfach, um folgende Schmuseattacken einzudämmen. Und nach dieser Forderung fragt mich die Mama jetzt immer „Soll ich das Bussi zurücknehmen?“ Das klingt an sich gut, finde ich. Das klingt, als bekäme ich im Nachhinein das soeben Geforderte. Was mich stutzig macht ist, dass sich das Bussizurücknehmen genau so anfühlt wie ein Bussi. Die Lippen werden irgendwo auf mir platziert, dann macht es Schmatz und fertig ist die Mama damit, ihr Bussi zurückzunehmen. Und ich fühle mich – naja – irgendwie gehäkelt. Darum habe ich den Maßnahmenkatalog zur Bussireduktion erweitert:

Wenn die Mama mir jetzt anbietet, ihr Bussi zurückzunehmen, lehne ich das ab. Etwas verhalten fordere ich das zwar, aber es wirkt: Ich bekomme kein („zurückgenommenes“) Bussi, sondern nur ein ehrliches Lachen meiner Mutter. Da frage ich mich dann schon, ob ich vielleicht falsch lag: Kann jemand, der so offen lacht, einen anderen tatsächlich häkeln? Ich weiß es nicht, aber ich werde es herausfinden.

Die Kinderkrippe ist super!

Ich bin 21 Monate und 24 Tage alt.


So sagt man mir zumindest. Egal, wen ich in letzter Zeit treffe – Omas, Opas, Tanten – eine der ersten Fragen dreht sich immer um die Krippe. Wobei die Neugier dann meist selbst gestillt wird. Auf „Na, wie gefällt’s dir in der Krippe?“ folgt meist im selben Atemzug „Dort ist es sicher super! Da kannst du zeichnen und spielen und singen und basteln.“

Nur: So oft ich das jetzt schon gehört habe, überzeugen tut es mich deswegen nicht. Ich würde – ließe man mich – eine eher differenzierte Antwort geben. Weil ich würde die Krippe nicht als durchgehend super bezeichnen. Alleine der Anfang! Wenn die Mama geht und mich alleine dort lässt. Ok, natürlich bin ich nicht alleine – da sind die Tanten und all die anderen Kinder. Aber das fällt mir erst kurze Zeit, nachdem Mama weg ist, ein und auf. Da stelle ich dann fest, es ist schon schön mit mehreren gemeinsam zu singen und zu klatschen. Auch das Jausnen nachher gefällt mir – besonders das Sprücherl, das davor aufgesagt wird. Danach wird – ok, das ist eh fein – gespielt, getanzt, gezeichnet. Aber wie gesagt: Die Mama ist da überall nicht dabei! Die kommt mich dann nach einer Weile abholen. Und ich frage mich halt schon, warum muss sie eigentlich weggehen? Weil wenn das nicht wäre, dann wäre die Krippe schon super.

 

2,5 kg Jausenwurst

Ich bin 21 Monate und 21 Tage alt.


Könnte sein, dass ich es schon mal erwähnt habe: Ich gehe gerne einkaufen. Seit kurzem sogar noch gerner. Denn seit kurzem muss ich nicht mehr in Mamas Einkaufswagerl sitzen, sondern ich habe mein eigenes! Gleich nach dem Eingang stehen Mini-Versionen der großen Wagen und damit darf ich durch die Supermarktgänge flitzen. Natürlich nicht zum Spaß. Nein, ich helfe Mama auch dabei, die Sachen einzusammeln, die wir brauchen. Dumm nur, dass sich vieles davon außerhalb meiner Reichweite befindet. So kann ich gerade mal Mozzarella und eine Salatgurke vorweisen, während sich bei Mama schon mehr stapelt. Mama gibt mir dann oft mal etwas von oben, damit ich es nach unten in meinen Wagen legen kann. Aber das ist so unbefriedigend!

Also habe ich mich darauf verlegt, einfach mal was aus den unteren Regalen einzupacken, das wir brauchen k ö n n t e n. Meist werde ich davon bereits währenddessen abgegehalten. Manchmal ist Mama zu langsam und ich krieg die Sachen ins Wagerl – kurz. Dann sieht meine Mutter, das alte Adlerauge, was ich getan habe und ich muss alles wieder zurücklegen. Aber letztes Mal, da ist es mir gelungen, meinen Einkauf bis zur Kassa durchzuschummeln! Da hat die Mama aber geschaut! Und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Dann hat sie gesagt: „Zwetschke! Was sollen wir denn mit 2einhalb Kilo Jausenwurst?“

„Ist mir egal, Mama, mir geht’s nur darum, mein Wagerl zu füllen.“
– Ok, hab ich nicht gesagt, sondern nur gedacht – auf dem ganzen weiten Weg zurück zum Wurstregal.

Ich liebe die Krippe!

Ich bin 21 Monate und 15 Tage alt.


In der Krippe gibt es so tolle Sachen: eine Rutsche, Kinderwagerl – ja Mehrzahl! – Puppen, Autos, Puzzles, Buntstifte, Wasserfarben, eine Küche in meiner Größe und dann noch die ganzen Kinder dort! Es wird gesungen und getanzt, es wird gezeichnet und gelesen.

So viele tolle Sachen und ich möchte die alle mit Mama machen. Aber die Mama möchte nicht. Sie sagt, es heiße schließlich K i n d e r krippe und nicht Mamakrippe. Und noch andere Sachen sagt sie, die ich nicht hören möchte.

Ohne Mama gefällt mir die Krippe aber nicht. Teuflisch!

Runter!

Ich bin 21 Monate und 10 Tage alt.


Wenn Mama mich morgens begrüßt mit „Guten Morgen mein Schatz“ und dann mit Fragen bombadiert „Hast du gut geschlafen, was Schönes geträumt, geht’s dir gut, mein Herz?“ dann gibt es für mich nur eine mögliche Antwort: Runter!

Denn Runter ist, wo alles ist: was zu essen, zu spielen, zu tun. Elfi und Purzel sind genauso Runter wie meine Magnetos und die Sachen zum Punktipunkti-Stichistichi-Machen. Zugegeben, gleich nach dem Aufstehen zeichnet Mama mir ohnehin keine Maxerl, aber die Möglichkeit bestünde!

Also will ich runter! Aber es dauert immer so lang, bis wir runter! gehen. Die Mama will schmusen mit mir, den Papa muss man sowieso erst mal überhaupt wach kriegen. Ein Wahnsinn, diese lasche Morgenlogistik. Aber Mama sagt, das ändert sich jetzt sowieso alles, weil ich in die Krippe komme. Ist die Runter?

Glaub ich nicht!

Ich bin 21 Monate und 7 Tage alt.


Ja, man kann mir nicht mehr so leicht etwas weismachen: Ich habe den Zweifel entdeckt – glaube ich.

Wenn ich mit Opa aus dem – geöffneten – Fenster schaue und er sagt, dass es jetzt mal genug ist, es sei kalt draußen und ich würde krank. Dann schaue ich ihn zweifelnd an und meine: Glaub ich nicht!

Selbiges meine ich in letzter Zeit auch gern, wenn jemand behauptet, meine Windel sei voll. Mama glaubt mir mein „Glaub ich nicht“ allerdings nie und sagt, sie hätte deutliche Beweise olfaktorischer Natur.

Mehr Chancen haben meine Zweifel, wenn Mama so etwas sagt wie „Wir müssen Zähne putzen“. Sag ich da „Glaub ich nicht“, bekomme ich eine philosophische Lektion übers Müssen: Anscheinend muss man in Wirklichkeit sehr wenig, soll aber sehr viel, damit zum Beispiel die Zähne gesund bleiben. Das Schönste daran ist jedenfalls, dass das Zähneputzen ein bisschen hinausgezögert wird. Das kannst du mir glauben!

Schwer zu verstehen.

Ich bin 21 Monate und einen Tag alt.


Diese Sprache … einerseits denke ich, ich bin darin schon recht gut, andererseits wiederum – Mysterien über Mysteriumsen.

Da sitze ich mit Mama am Boden rum und wir lassen kleine Autos durchs Wohnzimmer flitzen. Bei dem einen, da kann man sogar den Kofferraum aufmachen und dann kommt Musik raus! Allerdings ist es ziemlich schwierig, die Heckklappe zu öffnen. Mama sagt, sie zeigt mir, wie’s leichter geht: Ich soll das Auto einfach mal auf den Kopf stellen. Also: Also nehme ich das Auto natürlich und stelle es mir – ich vertraue der Mama in solchen Dingen – auf meinen Kopf. Da bricht Mama plötzlich weg vor Lachen.

???Ich sag ja: Mysterien über Mysteriumsen!!!