Jetzt ist nicht später.

Ich bin 22 Monate und 29 Tage alt.


Oft, wenn ich mich mit einem Anliegen an meine liebe Mutter wende, bekomme ich dieselbe Antwort. Dieser Tage geht es bei meiner Bitte meist um Schoko-ade. Denn auf dem Christbaum, den das liebe Christkind gebracht hat, befindet sich diese in Form von Schirmchen. Aber egal ob ich Schoko-ade, Oma-Opa gehen, Schudihops anschaun oder auch Buttabiot verlange, meist bekomme ich dieselbe Antwort: später. Oder es heißt auch morgen wieder, nach dem Mittagessen und nächste Woche.

Ich kann mit all diesen Zeitangaben nichts anfangen bzw. verstehe ich sie einfach alle als jetzt nicht. Denn eindeutig passiert nicht gleich, was ich verlange. Jetzt weiß ich aber nur, dass später – und all die anderen Späters – später bedeuten, ich weiß aber nie, wann genau dieses später ist. Um ja nix zu verpassen, frage ich Mama also immer wieder Mal nach einer Sache. Immer wieder Mal oder in kurzen Abständen – je nach Dringlichkeit meinerseits. Das verkürzt mir die Wartezeit. Denn manchmal, da habe ich das Gefühl, dass je öfter ich nach etwas frage, umso schneller wird das Später zum Jetzt.

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Noch Mal!

Ich bin 22 Monate und 22 Tage alt.


Ich liebe meine Bücher. Mehrmals am Tag verlange ich „Schudihopps anschaun“, „Alo anschaun“ oder auch „Panda anschaun“. Wenn Mama oder Papa dann das entsprechende Buch holt, fängt es aber erst an mit den Wiederholungen. Kaum sind wir mit einem Buch durch, verlange ich schon „Noch Mal!“. Denn irgendwie reicht mir ein Mal vorlesen nicht. Ich will das Buch noch Mal anschauen. Und dann vielleicht noch mal. Und manchmal, da will ich schon mittendrin noch Mal. Wenn mir eine Seite besonders gut gefällt, dann will ich sie auch besonders oft hören. Mama sagt dann oft entsetzt „Noch Mal!“. Dazu lässt sie eventuell auch ihren Kopf nach hinten in den Nacken fallen und macht Schnarchgeräusche. Ich lasse mich dadurch aber nicht irritieren und bleib dabei: Noch Mal!

Papa ist da etwas geduldiger, er hat mir einmal die erste Innenseite eines Buches, da wo einfach der Titel, die Autoren und Illustratoren stehen, ganz oft vorgelesen. Ich mochte das einfach. Die auch anwesende Mama hat irgendwann zwischengefragt, ob es denn noch nicht genug sei? Nein, war es nicht. Wie gesagt – Papa ist wahrlich geduldiger als Frau Mama. Ihr Rekord liegt bei gerade Mal 5 Mal hintereinander Biene Maja. Da ist Luft nach oben, meine ich.

Selba!

Ich bin 22 Monate und 20 Tage alt.


Nachdem ich schon selber essen kann, auch wenn ich nicht immer will.
Nachdem ich mir schon selber manchen Schuh aus- und anziehen kann, dann wann ich will.
Und nachdem ich schon total gut selber in meinen Kindersitz im Auto krabbeln kann, nach all dem meine ich, dass ich doch schon viel mehr selber machen könnte.

Und so rufe ich jetzt „selba!“ – das A zum Schluss oft raunzend – wenn mir Mama die Windeln überzieht. Ich will sie selber über den Popsch streifen – mit diesen neuen, die Papa gekauft hat und Mama „Panties“ nennt – geht das schon ganz gut. Ich will die Avocados, die Mama gerade in den Teller ausgeschält hat, zerstampfen, ich will mich selber frisieren und das Spangerl, das in mein Haar kommt, selber aussuchen. Die wunde Nase möchte ich mir selber eincremen, die Jalousien selber runterziehen – genau so wie rauf, die Socken ziehe ich lieber selber aus und überhaupt immer, wo geht, will ich einfach selber.

Nur beim Zähneputzen, wenn Mama mir die Zahnpasta auf meine Zahnbürste drückt, mir die so entstandene Kombination in die Hand drückt und sagt „Bitte, geht schon los.“, da will ich nicht selber. Da gebe ich ihr alles wieder zurück und verlange „Mami-i-i!“

Ich bin so tapfer wie die kleine Eule.

Ich bin 22 Monate und 16 Tage alt.


Es war einmal eine kleine Eule. Die wollte wie die großen Eulen sein, die – swisch, swusch, swasch – durch den Wald flogen und dabei elegant jedem Baum auswichen. Bei der kleinen Eule war von Eleganz leider keine Spur. Sie flog ein Stück und peng gegen einen Baum. Sie rappelte sich auf, flog ein Stück und wieder Peng! Weil das so nicht weitergehen konnte und die kleine Eule endlich mit den großen Eulen majestätisch über den Waldhimmel gleiten wollte, besuchte sie die weise Eulalia. Die half allen Eulen bei Beschwerden jeder Art. Der kleinen Eule riet sie, sie sollte sich frühmorgens die Tautropfen von den Grasspitzen holen und diese dann ins Auge träufeln. Die kleine Eule wartete also bis der nächste Tag anbrach und tat, wie ihr geheißen. Widerwillig – wer tropft sich schon gern was ins Auge! – aber doch tat sie es. Und siehe da! Auf einmal konnte sie mit den großen Eulen durch den Wald gleiten. Kein einziges Mal flog sie gegen einen Baum. Ihr Blick war klar und rein, so dass sie jeden Baum sah, bevor er ihr seine Äste ins Gesicht schnalzen konnte. Und so fiel es der kleinen Eule gar nicht schwer, sich jeden Tag den Tau in die Augen zu tropfen.

So oder so ähnlich hat es mir Mama erzählt und jetzt bin ich – nun ja – nicht so gelassen wie die kleine Eule und tropf mir so mir nichts dir nichts was ins Auge. Aber ich lasse es tapfer über mich ergehen – mit etwas Extra-Zureden von Mama und natürlich nicht ganz ohne Greinen. Aber wie gesagt und trotzdem: tapfer.

Ich muss noch meine Mails checken.

Ich bin 22 Monate und 12 Tage alt.


Ich finde Mamas Handys einfach toll. Sobald sie es zur Hand nimmt, sage ich „Mabi schaun!“. Zur Antwort bekomme ich viel zu selten „Na gut“ und viel zu oft „Jetzt nicht.“ Dabei schaue ich so gern die Fotos auf dem Handy an! Ich weiß auch schon, wo welche sind. Wo das Video ist, in dem ich – noch ein klitzekleines Baby – mit Oma durchs Haus krabble. Und ich weiß, dass ich woanders drücken muss, wenn ich die Fotos von der Tortenschlacht und vom Prater sehen möchte. Ich weiß sogar, wo man lauter dreht! Hilft aber nix, wenn ich das nicht immer dann machen kann, wenn ich es machen will.

Gut also, dass ich meine eigenen Handys habe. Das eine kann man aufklappen und das andere hat so viele Knopferl wie die Fernbedienung vom Radio, ist aber nicht die Fernbedienung vom Radio. Jedenfalls kann ich mit diesen Handys nach Lust und Laune telefonieren. Am liebsten rufe ich eines der Kinder aus dem Kindergarten an. Aber mit Handys kann man schließlich nicht nur telefonieren. Darum schreibe ich in letzter Zeit auch öfter mal eine Nachricht. Und heute, heute habe ich zu Mama erst gesagt „Foto schickn“ und dann „Vido schickn“, worauf sie meinte: „Ach, die verflixte Vorbildwirkung.“

Zwetschkenraster ade.

Ich bin 22 Monate und 5 Tage alt.


Ein Zwetschkenraster ist das, was ich bald amal nach dem Mittagessen mache. Da kriege ich eine frische Windel und nackte Beine und dann gehen wir rauf ins Schlafzimmer und ich rein ins Bett. Und dann raste ich ein Weilchen.

Rastete ich.

Die letzten Tage finde ich den Zwetschkenraster eher unnötig. Ich habe so viel Energie, dass ich zum Beispiel im großen Bett rumspringe und dabei alle Lieder, nämlich auf einmal, singe, die ich kenne. Mama beobachtet mich dabei und meint, ich soll doch in mein Bett kommen und ein bisschen ruhen, das täte mir gut. Rumspringen tut mir aber besser. Soll zu Mittag rasten, wer will – etwa Mama und Papa. Die sind gestern im großen Bett gelegen und haben müde drein geschaut, während ich die Matratzen testete. Sie haben gemeint, dass ein Zwetsckenraster echt erholsam wäre. Dann sollen sie doch rasten, ich rase lieber rum.

Mama holen.

Ich bin 22 Monate und einen Tag alt.


Ok, ich gebe zu: Das mit der Krippe ist nicht so schlimm. Ich mag zwar in der Früh nicht hingehen und verlange „Kindagatn nicht!“. Aber wenn wir dann dort sind, bin ich mittlerweile so fasziniert von allem, was dort los ist, dass ich es fast gar nicht mehr bemerke, dass die Mama geht. Und das geht, weil ich weiß, dass die Mama mich i m m e r holen kommt. Bis jetzt hat sie das nämlich immer getan und ich versichere mich dessen auch noch mal. Wenn Mama sagt, dass wir jetzt in den Kindergarten fahren, dann sage/frage ich „Mama holen“ und die Mama bestätigt mir dann, dass sie mich i m m e r holen kommt. Weil ich doch ihre Zwetschke wäre und sie mich ganz fest lieb habe.

Gut so.

Trotzdem beschäftigt mich das. Und so frage ich sicherheitshalber auch mal zwischendurch, ob die Mama mich holen kommt. Beim Essen sage/frage ich genauso „Mama holen“ wie wenn sie mich fürs Bett fertig macht oder wir spielen oder wenn sie mich umzieht oder ich im großen Bett rumspringen darf. Und immer sagt die Mama, dass sie mich selbstverständlich i m m e r holen kommt. Na gut, ich glaube ihr das mal. Schließlich sprechen auch die Tatsachen dafür.