Mein Lieblingsspielzeug.

Ich habe eine ganze Ecke im Wohnzimmer besetzt, die gehört ganz mir und meinem Spielzeug. Ja, so viel Spielzeug habe ich. Ich habe Bälle und Kuscheltiere und so Steine, die man ineinander stecken kann, die ich aber lieber auseinanderziehe. Ich habe ein Köfferchen, in dem ist alles drin, was man für ein ausgewogenes Frühstück braucht. Nur, dass man es nicht essen kann. Ich habe es mehrmals gekostet. Außerdem habe ich ganz viele Bücher und Becher, die man aufeinander stapeln kann und ich habe eine Schachtel, wo noch Mal ganz viel Zeugs und Sachen und Dingens drin sind.

Alles sehr unterhaltsam. Am unterhaltsamsten finde ich momentan aber die Dinger, mit denen Mama die Wäsche am Wäscheständer festmacht. Kluppen heißen die, sagt sie. Das Tolle ist, die können nicht nur die Wäsche am Wäscheständer festmachen, man kann sie auch an meiner Wäsche, die ich anhabe, festmachen. Zwick, zwick, zwick macht Mama und ich ziehe sie dann wieder runter. Zwack, zwack, zwack. Lustig ist das. Ich frage mich, warum diese Kluppen nicht in der Spielzeugecke liegen?

Meine Lieblingsspielzeuge draußen heißen übrigens Wasser und Blähton. Ich weiß, ein komisches Wort, aber Mama sagt, so heißen die Kugerl, die ich so gerne aus den Blumentöpfen rausfische.

Sternderl schauen.

Ich bin 14 Monate und 27 Tage alt.


Jetzt, nachdem ich einige Zeit aufrecht unterwegs bin und das recht gut, wird es Zeit, neue Perspektiven zu entdecken. Es wird Zeit herauszufinden, was ich noch so alles drauf habe. Laufen und dabei juchazen zum Beispiel, hab ich neulich morgens festgestellt, ist ein sehr netter Zeitvertreib. Aber noch lieber mache ich jetzt was anderes. Quasi das Gegenteil: Ich lege mich einfach flach auf den Boden. Faszinierend, dass ich meinen Kopf schon so unter Kontrolle habe, dass er nicht Bumm macht, wenn ich das mache. Ich setze mich hin, lasse mich langsam nach hinten gleiten und erst ganz zum Schluss lege ich meinen Kopf vorsichtig und total kontrolliert auf den Boden. Fantastisch! Mama nennt das „Sternderl schauen“. Ich hingegen würde eher „Plafond mit den Lampen daran anschauen“ dazu sagen. Weil Sternderl sehe ich da oben so gar keine. Mama legt sich oft zu mir und sagt, dass wir das mal draußen machen müssen, wenn das Wetter wieder besser ist. Da gibt’s aber oben am Himmel – so weit ich weiß – auch nur Wolken und Flugzeuge und Vögel. Aber wenn sie meint. Bitte. Ich stehe während ihrer Träumereien jedenfalls schon mal auf, setze mich auf ihren Bauch und hüpfe so heftig auf und ab, dass Mama mal was zu juchazen hat.

Auf der Stiege.

Ich bin 14 Monate und 24 Tage alt.


Ich mag Stiegen. Die sind wie für mich gemacht. Ich habe nämlich festgestellt, die meisten Stiegen reichen ziemlich genau bis zu meinem Knie. Das bedeutet, dass ich ganz fantastisch darauf sitzen kann. Ich muss nicht wie bei anderen Sitzgelegenheiten mühsam den Popsch hinaufhieven, mich oben angekommen drehen und wenden, bis ich endlich auf dem mühsam hinaufgehievten Popsch sitze. Und den erst wieder runterzukriegen! „Popsch voran!“, schreit Mama dann immer.

Bei Stiegen ist das anders. Da stelle ich mich einfach davor, lege den Rückwärtsgang ein, beuge meine Knie und Zack! sitze ich. Wie schön das ist. Einfach rumzusitzen. Mehr mache ich auf den Stiegen nämlich nicht. Auf der Stiege im Vorzimmer und auf der vor der Haustür genauso wie auf der bei der Terrasse sitze ich einfach rum, genieße die Brise und gucke in die Luft. Und manchmal, da setzt sich Mama zu mir. Da sitzen wir dann beide und gucken in die Luft. Ihr gefällt das anscheinend auch – einfach mal nichts tun.

Passt mir der Babyschuh?

Ich bin 14 Monate und 21 Tage alt.


Das hier schreibe ich im Auftrag meiner Mama. Sie hat mich dringend darum gebeten, denn sie meint, dieses Wissen muss man öffentlich machen: Das Wissen darum, wie man weiß, ob die Schuhe dem Baby passen.

Ich kann dazu nur so viel sagen: Mühsam und mühselig war das Anprobieren meiner ersten Schuhe. In die musste ich reinschlüfen und in die und dann noch in die und dauernd hat Mama auf den Schuhspitzen – also auf meinen Zehen – herumgedrückt. Und dann wollte sie auch noch, dass ich in den Schuhen herumlaufe. Ich meinerseits wollte in dem Moment aber partout nicht laufen. Passte mir gerade nicht in den Kram. Im Endeffekt waren wir beide unglücklich mit der Schuhprobiererei. Ich weil siehe zwei Zeilen oberhalb und Mama weil sie nicht wirklich gewusst hat, ob mir der Schuh passt oder mich drückt. Dann hat Mama zum Glück eine total schlaue Freundin getroffen. Die hat ihr gesagt, dass man bei vielen Babyschuhen die Innensohle herausnehmen kann. Da stellt man das Baby dann drauf und wenn noch ein Fingerbreit Platz ist bis zum Sohlenrand, dann passt der Schuh.

Und paderdautz, bei allen für mich bestellten Schuhen konnte man die Innensohle rausnehmen! Da war die Mama aber glücklich. Ich weniger. Musste ich doch jetzt auf den Innensohlen rumstehen, musste ein paar Millisekunden ruhig stehen. Passte mir gerade gar nicht in den Kram. Es hat aber dann doch gereicht, dass Mama an der Innensohle sehen konnte, ob mir der Schuh passt. Und seitdem wackle ich in denen ganz zufrieden durch die Gegend. Kann mich nicht beschweren. Nur letztens, da hat Mama gesagt, dass wir mal schauen müssen, ob mir die Schuhe eh noch gut passen und ob ich nicht schon größere bräuchte. Ui, das passt mir gerade aber gar nicht in den Kram.

 

Mein zweitliebstes Lieblingswort.

Ich bin 14 Monate und 18 Tage alt.


Mein erstliebstes Lieblingswort ist natürlich Da! Es ist so flexibel einsatzbar, das kann kein anderes. Trotzdem hat es mittlerweile schwere Konkurrenz von meinem zweitliebsten Lieblingswort: Nein.

Mir gefällt daran, dass ich es völlig fehlerfrei sagen kann. Alle Buchstaben sind da und werden richtig aneinander gereiht von mir ausgesprochen. Auch in der Betonung benutze ich es – meine ich – ganz wie eine Große: definitiv und selbstsicher. Eventuell unterstütze ich das Ganze sogar durch einen Kopfwegdreher oder eine abweisende Handgeste. Denn wenn ich Nein sage, meine ich Nein – genauso wie Mama. Es kann nur sein, dass ich mich eine Millisekunde später umentscheide – genauso wie Mama – und doch nicht Nein meine. Dann koste ich zum Beispiel doch von dem Löffel, den ich gerade verneint habe. Aber man darf ja wohl noch seine Meinung ändern.

An Nein gefällt mir außerdem, dass es mir Macht verleiht: Ich habe die Wahl. Ich treffe die Entscheidung. Nicht, dass ich das nicht schon vorher getan hätte, aber mit einem Nein kann ich es jetzt noch früher tun. Ich muss nicht erst etwas probieren und dann mittendrin im Probieren kundtun, dass mir das nicht gefällt. Ich kann die Sache von Anfang an klipp und klar stellen und mich gleich gegen das Probieren entscheiden. Mama meint, ich sage zuviel Nein und mit einem Ja hätte man auch viel Macht. Mmmh … nein.

Wie macht der Hund?

Ich bin 14 Monate und 14 Tage alt.


Also, wenn man mich fragt, dann macht der „He-he-he“. Er hechelt. Wenn ich einen Hund sehe oder bellen höre, strecke ich meine Zunge raus und mache „He-he-he!“ Mama meint dann, ich wäre wohl das einzige Kind, das beim Anblick eines Hundes nicht „Wau-wau“ macht. Auf der ganzen Welt. Ja, was soll ich machen: So hat’s mir Papa beigebracht.

Du-du-du!

Ich bin 14 Monate und 11 Tage alt.


Eins vorweg: Ich bin schon total gut unterwegs. Aber manchmal klappt es dann doch nicht so, wie ich wollte. Da kippt dann das blöde Laufrad um, wenn ich mich draufsetze. Oder der Esstisch ist viel niedriger als ich und mir im Weg, wenn ich drunter aufstehe. Oder dieser andere Tisch, der bei der Couch. Ich könnte wetten, dass der vorher noch nicht da war. Vorher – bevor ich ordentlich Bumms daran gemacht habe. Oder das Glas im Fenster. Das ist so tükisch! Man schaut hindurch, kann aber nicht durch und plötzlich macht es Dong! All diese Dinge sind schuld, dass ich mir manchmal wehtue. Ich kann da nichts dafür. Aber auch gar nichts. Darum schelte ich all diese Dinge. Ich sage „Du-du-du!“ zu ihnen und hebe zur Unterstützung meine Hand. Dann erhebt meist Mama ihre Stimme und sagt, dass nicht diese Dinge schuld seien, sondern dass ich besser aufpassen müsse. Dass ich zum Beispiel ein Hans-guck-in-die-Luft sei und es schon ein Anfang wäre, wenn ich öfter in die Richtung schauen würde, in die ich gehe. Ein Tipp fürs Leben sei das, meint sie.