Allein zuhause.

Ich bin 2 Jahre alt.


Die Mama hat, wie schon so oft, schnell den Müll rausgetragen. Flott ist sie raus bei der Haustür und hat gesagt, sie sei in ein paar Sekunden wieder da. Die Zeit hab ich dazu genutzt, um mal an dem Drehknauf an der Haustür rumzufummeln. Kurz darauf hat sich die Schnalle an der Haustür bewegt – aber nicht die Tür. Und dann hat’s plötzlich an der Tür geklopft, heftigst geklopft. Ich weiß eh, dass das die Mama war, weil sie zwischen dem Klopfen immer geredet hat. Sehr laut geredet, fast geschrien hat.

„Zwetschke!“, hat sie gesagt und dazu noch irgendwas, was ich nicht verstanden hab. „Warum kommt sie denn nicht einfach rein?“, hab ich mir gedacht, dann müsste sie nicht so schreien. Aber die Mama ist draußen geblieben. Ich hab mich in der Garderobe versteckt. Das hatte ich schon die ganze Zeit vor und ich fand, jetzt war endlich die richtige Gelegenheit.

Nach einer Weile hat es draußen wieder heftig geklopft: „Zwetschke, hörst du mich? Bist du da? … Zwetschke!!“ Ich hab mich dann gegen das Verstecken entschieden und dafür, auf die Rufe meiner Mutter zu reagieren. Sie hat mir gesagt, ich solle doch den Drehknauf noch einmal drehen so wie vorhin, nur diesmal in die andere Richtung: nach links. Das sei dort, wo das linke Ohr und der linke Fuß sind. Hab ich gemacht, da hat sich die Türschnalle bewegt aber sonst nichts. Daraufhin hat die Mama mich gebeten, den Drehknauf noch mehr zu drehen. Richtig angefeuert hat sie mich. Also hab ich noch mal. Wieder hat sich die Türschnalle bewegt und diesmal mit ihr die Tür! Und da stand die Mama wieder. Gleich darauf ist sie auf die Knie gefallen und hat mich umarmt. Ui, die war kalt! Dann hat sie mich etwas von sich geschoben, ernst angesehen und folgende Forderungen gestellt:

Ich solle

  • den Drehknauf an der Haustür nie nie wieder anfassen und
  • sie ja nie nie wieder aussperren.

Überdies soll ich aber bitte so eine neugierige, vife Plätschen bleiben.

Ich bin so tapfer wie die kleine Eule.

Ich bin 22 Monate und 16 Tage alt.


Es war einmal eine kleine Eule. Die wollte wie die großen Eulen sein, die – swisch, swusch, swasch – durch den Wald flogen und dabei elegant jedem Baum auswichen. Bei der kleinen Eule war von Eleganz leider keine Spur. Sie flog ein Stück und peng gegen einen Baum. Sie rappelte sich auf, flog ein Stück und wieder Peng! Weil das so nicht weitergehen konnte und die kleine Eule endlich mit den großen Eulen majestätisch über den Waldhimmel gleiten wollte, besuchte sie die weise Eulalia. Die half allen Eulen bei Beschwerden jeder Art. Der kleinen Eule riet sie, sie sollte sich frühmorgens die Tautropfen von den Grasspitzen holen und diese dann ins Auge träufeln. Die kleine Eule wartete also bis der nächste Tag anbrach und tat, wie ihr geheißen. Widerwillig – wer tropft sich schon gern was ins Auge! – aber doch tat sie es. Und siehe da! Auf einmal konnte sie mit den großen Eulen durch den Wald gleiten. Kein einziges Mal flog sie gegen einen Baum. Ihr Blick war klar und rein, so dass sie jeden Baum sah, bevor er ihr seine Äste ins Gesicht schnalzen konnte. Und so fiel es der kleinen Eule gar nicht schwer, sich jeden Tag den Tau in die Augen zu tropfen.

So oder so ähnlich hat es mir Mama erzählt und jetzt bin ich – nun ja – nicht so gelassen wie die kleine Eule und tropf mir so mir nichts dir nichts was ins Auge. Aber ich lasse es tapfer über mich ergehen – mit etwas Extra-Zureden von Mama und natürlich nicht ganz ohne Greinen. Aber wie gesagt und trotzdem: tapfer.

Ich liebe die Krippe!

Ich bin 21 Monate und 15 Tage alt.


In der Krippe gibt es so tolle Sachen: eine Rutsche, Kinderwagerl – ja Mehrzahl! – Puppen, Autos, Puzzles, Buntstifte, Wasserfarben, eine Küche in meiner Größe und dann noch die ganzen Kinder dort! Es wird gesungen und getanzt, es wird gezeichnet und gelesen.

So viele tolle Sachen und ich möchte die alle mit Mama machen. Aber die Mama möchte nicht. Sie sagt, es heiße schließlich K i n d e r krippe und nicht Mamakrippe. Und noch andere Sachen sagt sie, die ich nicht hören möchte.

Ohne Mama gefällt mir die Krippe aber nicht. Teuflisch!

Schwer zu verstehen.

Ich bin 21 Monate und einen Tag alt.


Diese Sprache … einerseits denke ich, ich bin darin schon recht gut, andererseits wiederum – Mysterien über Mysteriumsen.

Da sitze ich mit Mama am Boden rum und wir lassen kleine Autos durchs Wohnzimmer flitzen. Bei dem einen, da kann man sogar den Kofferraum aufmachen und dann kommt Musik raus! Allerdings ist es ziemlich schwierig, die Heckklappe zu öffnen. Mama sagt, sie zeigt mir, wie’s leichter geht: Ich soll das Auto einfach mal auf den Kopf stellen. Also: Also nehme ich das Auto natürlich und stelle es mir – ich vertraue der Mama in solchen Dingen – auf meinen Kopf. Da bricht Mama plötzlich weg vor Lachen.

???Ich sag ja: Mysterien über Mysteriumsen!!!

Schmauel-Zeit.

Ich bin 19 Monate und 12 Tage alt.


Ich bin nicht die große Schmuserin – Schmaulerin wie Mama sagt. Es geht aber auch nicht, dass wir den ganzen Tag nur kuscheln, so wie Mama das gern tun würde. Es gibt andere Dinge zu tun: Meinen Sessel als Wagerl verwenden und damit durchs Wohnzimmer zischen, Bücher anschauen, noch lieber Fotobücher anschauen, mit Omas, Tanten und Cousinen spielen, die Ilona – das ist mein Holzhund – vom Sessel springen lassen, die ganzen Schachterln und Dosen aufmachen, die immer am Tisch für mich zum Erforschen bereit liegen, Omas zeichnen und alles nachquatschen, was die Großen miteinander tratschen. Und noch viel mehr gibt es zu tun.

Und trotzdem. Trotz dieses riesigen Aufgabenbereichs gibt es doch Gelegenheiten, an denen ich mich einfach nur an Mamas Hals schmiegen will und alle Bussis, die sie austeilen möchte, gerne entgegen nehme. Diese Gelegenheiten sind eigentlich immer zur selben Zeit – dann, wenn es Zeit ist, Zähne zu putzen. Wenn Mama mich vor das Waschbecken stellt, Zahnpasta auf meine Zahnbürste drückt und mir selbige Komination in die Hand, dann will ich nix anderes tun als schmaueln, schmusen und noch mal kuscheln. Mama lässt sich das sehr gerne gefallen. Leider nur beschränkte Zeit. Irgendwann sagt sie dann immer: „Jetzt ist nicht Schmauel-Zeit, du Zwetschke, jetzt wird zähnegeputzt.“ Naja, dann kann sie sich aber hinterher nicht beschweren, dass ich selten schmusen will, gell.

Hajo!

Ich bin 19 Monate und 8 Tage alt.


Zur Zeit begrüße ich die Menschen um mich herum gerne. Wenn Mama mit mir einkaufen geht und ich sicher auf meinen Platz im Einkaufswagerl throne, sage ich zu jedem, den ich sehe „Hajo!“ Mama macht mich dann manchmal nach und sagt auch Hallo! Hallo! Hallo! Im Gegensatz zu mir bekommt sie aber kein Lächeln zur Begrüßung – die kriege alle ich. Ich sage so gern Hajo!, dass ich dafür keinen Anlass brauche. Einfach so kommt es bei mancher Gelegenheit aus mir raus: Hajo, Mami, Hajo! Als Antwort folgt meist ein Hallo, mein Schatz!, worauf ich wieder ein Hajo! oder sogar ein Hajo-jo! retourniere. Und wieder eins bekomme, eventuell mit einem Bussi oben drauf.

Auch morgens werfe ich meinen Eltern gleich ein fröhliches Hajo! entgegen – außer mich beschäftigt gerade ein anderer Gedanke, etwa wer einen Bart trägt. Dann sage ich mit dem ersten Augenaufschlag  Mäh-schon, Tatte (Katze)-nicht. Aber das ist eine Ausnahme, meist beginnt der Tag mit einem Hajo! – bzw. endet die Nachtruhe damit. Denn wenn ich beim Schlafen munter werde und zu Mama und Papa ins Bett krabble, sage ich natürlich auch Hajo Mama! Hajo Papa! Da ist die Antwort dann aber meist: Schlaf einfach weiter, Schatz.

Zeichenminute.

Ich bin 19 Monate und 5 Tage alt.


Manchmal da ist mir nach zeichnen. Was ich dann tue, ist ganz klar: Ich klettere auf den Sessel am Tisch, wo viel Zeugs und die Zeichensachen liegen und verlange Oma! Oma! Mama braucht noch immer ein bisschen, bis sie das Codewort versteht. Aber ihre Zeiten sind schon viel besser geworden: „Du willst eine Oma zeichnen!“, fällt ihr mittlerweile schon viel schneller ein als früher.

Und dann zeichnen wir – zuerst zeichne ich eine Oma und dann Mama, die hartnäckig dabei bleibt, meine Omas Gekritzel und ihre Strichmännchen zu nennen. Aber egal, wer die Omas zeichnet und wie sie ausschauen, ich darf die Farben aussuchen. Wir machen blaue Omas mit rotem Haar genauso wie braune Omas mit grünem Schopf. Mir gefallen die, nur Mama meint, dass wir den echten Omas unsere Kunstwerke lieber nicht zeigen. Ich meine, sie werden sie schon mögen, wie einfach alles, was ich tue.

Spitznamen-Update.

Nun ja, es ist Mal wieder so weit: Ich habe neue Namen bekommen, die aber sicher nicht in meiner Geburtsurkunde stehen:

Mein Echo – So sagt Mama zu mir immer, wenn ich versuche nachzuplappern, was sie gerade gesagt hat. Und das versuche ich oft. Leider merke ich mir aber meist nur das letzte Wort.

Sklaventreiberin/Tyrannin – Ersteres verwendet Papa, Letzteres eher Mama, wenn ich einfach nur sage, was ich will: Mama, komm her! zum Beispiel. Oder auch Mit! – dazu nehme ich die Hand der betreffenden Person und zerre sie in die Richtung, in die ich mit eben jener Person gehen will. Mama folgt mir leider nicht immer. Sie sagt dann eben, ich sei eine kleine Tyrannin und dass ich diesen Wesenszug lieber bei den Omas oder Opa ausleben solle, die folgen viel eher auf mein Wort.

Conan – Das ist ziemlich neu. Meist höre ich es, wenn ich etwas tue, was ich auf keinen Fall tun soll: Wasser über Papas Hut gießen, nachdem mir gesagt wurde, dass der kein Wasser verträgt. Oder mich an das Regal hängen, das in meiner Greifweite ist, nachdem mir bereits 2 Mal mitgeteilt wurde, dass ich das nicht tun soll, weil es selbst mein Fliegengewicht auf Dauer nicht aushalten wird. Das erste Mal habe ich „Conan“ gehört, als ich einen Stein auf den Parkettboden schmeißen wollte. Den großen Stein in meiner erhobenen Hand stand ich mitten im Wohnzimmer und sowohl Mama als auch Papa haben mir gesagt – nein geschrien – dass ich den ja nicht werfen soll. Als Mama dann im Anflug aus der Küche war, um mich aufzuhalten, habe ich ihn trotzdem geschmissen. Ui, ui. Da konnte ich mir was anhören! Dass das mutwilliger Zerstörungswille sei, der hier als barbarisch empfunden wird und darum heiße ich jetzt so wie der aufgeblasene Kerl in dem Film Conan, der Barbar.

Am meisten höre ich dieser Tage aber Zuckerzwetschke. Ganz ganz oft höre ich das. Dazu gibt es auch ein Spiel: Mama fragt mich, ob ich ihre Zuckerzwetschke sei und ich sage dann „Nein.“ Also fragt mich Mama, was ich denn dann sei. „Mausi.“, sage ich dann und kriegeeinen dicken Kuss.

 

Ich liebe den Staubsauger.

Ich bin 18 Monate und 29 Tage alt.


Mama hat ja so einige tolle Tools, aber mein Favorit ist der Staubsauger – das Blöde daran ist nur, dass die Mama damit Staub saugen will. Ich hingegen möchte mir einfach nur das Staubsaugerrohr an den Mund halten. Es ist total lustig, wenn die Lippe so eingesaugt wird. Es macht lustige Geräusche und es fühlt sich lustig an. Mama findet das leider immer nur eine beschränkte Zeit lustig. Wenn sie also den Staubsauger auspackt, darf ich nicht gleich ran.

„Ich sauge jetzt ein bisschen und dann kannst du ihn haben.“, heißt es da immer. Na gut. Wenn es dann endlich so weit ist und ich mit dem Staubsauger spielen darf, heißt es nach einiger Zeit wieder: „Mäuslein, du kannst ihn gleich wieder haben. Ich sauge schnell durchs Vorzimmer/Bad/Wickelzimmer und dann gehört er wieder dir.“ Hach, dieses schnelle Saugen geht mir immer viel zu langsam. Deshalb ist das meist der Punkt, an dem ich dazu übergehen, den Staubsauger abzudrehen. Nach einigen „Dreh den Staubsauger bitte wieder auf.“ folgt meist ein „Lass es jetzt gut sein!“ So streiten Mama und ich also hin und her um dieses wundervolle Ding, bis Mama endlich fertig ist mit Saugen und der beste Teil kommt: Das Kabel verschwindet – schwuppdiwupp – wie von Zauberhand im Staubsauger. Wie geht das bloß? Aber statt mir das zu erklären, sagt Mama nur, dass sie sich das alles gut merken muss, denn es wird der Tag kommen, an dem sie mit mir darum streitet, dass ich den Staubsauger benutzen soll, aber nicht will. Ich bin sehr gespannt auf diesen Tag.

Die Frau Wasseringenieur.

Ich bin 18 Monate und 25 Tage alt.


Diesen Titel hat mir Mama verliehen und sich selbst die Bezeichnung „Assistentin der Frau Wasseringenieur.“ Als solche hat meine liebe Mutter einen wichtigen Job: Dafür sorgen, dass meine Gießkannen immer voll sind. Denn nur mit genügend Wasser kann ich meine Arbeit verrichten – das Wasser in einem variablen Ablauf in unterschiedliche Behältnisse umfüllen. Zuerst von der Gießkanne ins Küberl, vom Küberl ins alte Tupperwaregeschirr und von dort zum Beispiel mitten auf die Terrasse. Gerne auch auf den Kiesweg, eher ungern in die Wiese oder in die Blumen. Da sieht man ja nix mehr davon. Wenn Mama mir bei meiner Arbeit als Wasseringenieurin zusieht, fragt sie mich immer, ob ich eine Plan hätte. Aber natürlich habe ich den: Soviel wie geht, nass machen, am besten inklusive anwesender Personen.