Neigungsbekundungen.

Ich bin 23 Monate und 24 Tage alt.


In letzter Zeit verleihe ich meinem Gefallen gerne Ausdruck. Wenn ich etwas mag, sage ich „Gefällt mir sehr gut.“ Zum Beispiel sage ich das zu dem bunten Teufel, der auf einem Sticker abgebildet ist. Oder auch zum Pullover mit dem Rennauto drauf. Wenn Mama mich morgens anzieht, frage ich oft nach dem. Oder auch nach dem mit der Eule. Gefallen mir eben beide sehr gut – genau so wie einige Dinge in Büchern. Die Amsel gefällt mir zum Beispiel eben sehr gut – ganz im Gegenteil zu den Amselküken. Da heißt es „Mag niichd“.

Wie auch immer – egal, wozu ich mein Gefallen äußere, meinen Eltern gefällt genau das sehr gut. Das ist eindeutig am Schmunzeln zu erkennen.

Einmal hat Mama sogar richtig laut aufgelacht – als ich gesagt habe, dass mir eben die Mama sehr gut gefällt.

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Mamas und Papas Bitte.

Ich bin 23 Monate und 20 Tage alt.


Heute Morgen beim Frühstück hat Mama mich – auch im Namen von Papa, der gerade im Bad war, sich frisch und fesch machen – um etwas gebeten: Wenn ich wieder um halb 3 Uhr früh putzmunter bin, soll ich bitte nicht:

  • Sagen, was lustig ist.
  • Erzählen, was mir sehr gut gefällt.
  • Herumwischpeln.
  • X Mal aus meiner Flasche trinken wollen.
  • Den Schlafsack ausziehen wollen.
  • Runter ins Wohnzimmer gehen wollen.

Nein, was ich bitteschön tun soll, ist Ruhe geben und einfach weiterschlafen so wie die allermeisten Menschen um diese Zeit – und Mama und Papa eben auch, wenn sie nicht durch alle oben genannten Punkte von mir davon abgehalten würden. Naja, mal schauen, ob ich das berücksichtigen kann, wenn ich mal wieder mitten in der Nacht glaube, es sei schon Tag. Schwer vorstellbar, denn Mama hat gemeint, sie hätte sich bereits letzte Woche mit dieser Bitte, als ich so von 4 bis 4.30 wach war, an mich gewandt.

Gschnaspremiere.

Ich bin 23 Monate und 16 Tage alt.


Gestern war ich auf meinem ersten Maskenball. Mama hat mir was angezogen, das Oma und Opa mir aus dem Urlaub mitgebracht haben und mich ab diesem Zeitpunkt fast nur noch kleine Inderin genannt. Dann sind wir los und na dort war was los! Cowboys, Hexen, Spidermen und noch viel mehr sind wild durch den Saal gefetzt und haben zu lauter Musik getanzt. Krapfen gab es und Apfelsaft. Bunte Papierschnipserl sind durch die Luft geflogen und es war einfach irrsinnig aufregend. So aufregend, dass ich das Spektakel lieber von oben betrachtet habe. Von Mamas Arm aus habe ich eine wesentlich bessere Sicht. Nur für einige Minuten hatte ich festen Boden unter den Füßen. Das war, als Mama gesagt hat, sie kann nicht mehr und ich zu Papa gelaufen bin.

Dann sind wir bald nach Hause. Wo ich bis zum Schlafengehen als kleine Inderin rumgelaufen bin. Weder das Kleid noch den Punkt auf der Stirn wollte ich hergeben. Denn Verkleiden finde ich prinzipiell gut und im kleinen intimen Rahmen halt am besten.

Meine Dosis Bad Bad Leroy Brown.

Ich bin 23 Monate und 13 Tage alt.


Meine Tante musste „Bad, bad Leroy Brown“ am Klavier einstudieren, bei uns zuhause hat sie auch geübt. Mama hat sie dabei gefilmt und somit festgehalten, wie sie sich verspielt und darüber ärgert. Ich liebe dieses Video! Wenn Mama mich ein bissi Handy schauen lässt, dann will ich diesen Clip sehen. So 7 bis 10 Mal hintereinander. Oder eben genau so lange bis Mama sagt, dass jetzt genug ist.

Also hab ich mich darauf verlegt, den Clip nachzuspielen. Mami hat ein bisschen gebraucht, bis sie wusste, dass ich das tue. Erst bin ich nur rumgelaufen und hab „Bäh, Bäh! gesungen und verwunderte Blicke geerntet. Ja, ich kann nun mal Bad, Bad Leroy Brown nicht aussprechen! Dann hab ich ab und an verärgert aufgeschrien – wie meine Tante am Klavier beim Verspielen. Mehr verwunderte Blicke. Schließlich als ich alles zusammen in der richtigen Reihenfolge und das auch noch an unserem Klavier gemacht habe, hat Mama endlich verstanden, dass ich das Video imitiere. Das mache ich jetzt oft. Und wenn ich das nicht mache, will ich den Clip sehen. Und wenn das nicht geht, verlange ich, dass das Lied aus dem Radio kommen soll. Bitte. Das geht nämlich auch und ist insofern eine gute Variante, weil dann kann man dazu herumhüpfen, die Haare schütteln, bis man nichts mehr sieht und sich im Kreis drehen. Die Mama klatscht dann auch dazu und singt mit. Meistens. Heute hat sie nach dem 7. Mal Abspielen von Leroy Brown den Dienst verweigert.

Gut, dass dann Papa nach Hause gekommen ist.

 

Mami! Lachen!

Ich bin 23 Monate und 10 Tage alt.


Ich entdecke immer wieder neue Funktionen auf meinem Handy – das nicht ganz so ausschaut wie Mamas oder Papas, aber immerhin auch Zahlenknöpfe hat und größenmäßig sehr ähnlich erscheint.

Jedenfalls nachdem ich damit bereits telefonieren und auch Nachrichten schreiben kann und will, habe ich nun entdeckt, dass das gute Gerät auch einen Fotoapparat hat! So wie Mamas und Papas Telefone! Das muss ich natürlich sofort anwenden und so gehe ich zu Mama und verlange „Mami! Lachen!“ Das muss sie ein paar Mal hintereinander machen, denn so habe ich das gelernt. Wenn ich dann fertig bin mit Fotografieren, schauen wir uns meine Werke an. Mami findet oft, dass ich sie nicht gut erwischt habe – sie sei einfach nicht fotogen, meint sie. Vielleicht hat sie deshalb nicht immer Zeit zum Fotografieren und so laufe ich eben durch die Wohnung und knipse andere: Panda! Lachen! Hund! Lachen! Mia! Lachen!

Ich habe ein eigenes Zimmer?!

Ich bin 23 Monate und 3 Tage alt.


Bis jetzt dachte ich, mir gehört das ganze Haus. Doch da hab ich mich anscheinend geirrt.

Letztens fordern mich Mama und Papa auf, ihnen nach oben zu folgen, sie wollen mir mein Zimmer zeigen. Ich folge ihnen, obwohl – wie schon zu Beginn erklärt – ich nicht verstehe, wozu ich so etwas brauche. Doch die beiden waren so fröhlich, dass ich getan habe, was man mir sagt – eine Seltenheit, behauptet Mama. Gut war’s! Denn das Zimmer neben unserem Schlafzimmer ist plötzlich ganz anders. Schöner. Bunter. Meiner.

Mir mag also – offiziell – nicht das ganze Haus gehören, ganz offiziell nehme ich aber gerne dieses Zimmer. Da gibt es einen großen Sessel voller Kuscheltiere, ein Regal, aus dem ich alle Boxen ziehen darf, ohne dass ein Elternteil auch nur mit der Wimper zuckt. So lustige runde Papierdinger hängen von der Decke, die kann man drehen und es gibt ein Bett mit einem kuscheligen Eichhörnchen-Polster drauf. Ach, erwähnte ich schon den Teppich vor dem Bett? Auf dem sind Ampeln! Papa fährt mit einem kleinen Auto die Teppichstraßen entlang und wenn er an eine Ampel kommt, schaut er mich an und ich sage „Jot!“. Kurz darauf schreie ich mit nach oben gerissenen Händen „Gün!“ und Papa fährt wieder los. Um vor dem Zebrastreifen wieder stehen zu bleiben, denn da gehen „Leute düber“.

Also ich geb’s zu: Ich mag dieses mein Zimmer. Warum ich ein weiteres Bett brauche, ist mir nicht ganz klar, aber wer beschwert sich schon über eine weitere Springgelegenheit?

Jetzt ist nicht später.

Ich bin 22 Monate und 29 Tage alt.


Oft, wenn ich mich mit einem Anliegen an meine liebe Mutter wende, bekomme ich dieselbe Antwort. Dieser Tage geht es bei meiner Bitte meist um Schoko-ade. Denn auf dem Christbaum, den das liebe Christkind gebracht hat, befindet sich diese in Form von Schirmchen. Aber egal ob ich Schoko-ade, Oma-Opa gehen, Schudihops anschaun oder auch Buttabiot verlange, meist bekomme ich dieselbe Antwort: später. Oder es heißt auch morgen wieder, nach dem Mittagessen und nächste Woche.

Ich kann mit all diesen Zeitangaben nichts anfangen bzw. verstehe ich sie einfach alle als jetzt nicht. Denn eindeutig passiert nicht gleich, was ich verlange. Jetzt weiß ich aber nur, dass später – und all die anderen Späters – später bedeuten, ich weiß aber nie, wann genau dieses später ist. Um ja nix zu verpassen, frage ich Mama also immer wieder Mal nach einer Sache. Immer wieder Mal oder in kurzen Abständen – je nach Dringlichkeit meinerseits. Das verkürzt mir die Wartezeit. Denn manchmal, da habe ich das Gefühl, dass je öfter ich nach etwas frage, umso schneller wird das Später zum Jetzt.