Gschnaspremiere.

Ich bin 23 Monate und 16 Tage alt.


Gestern war ich auf meinem ersten Maskenball. Mama hat mir was angezogen, das Oma und Opa mir aus dem Urlaub mitgebracht haben und mich ab diesem Zeitpunkt fast nur noch kleine Inderin genannt. Dann sind wir los und na dort war was los! Cowboys, Hexen, Spidermen und noch viel mehr sind wild durch den Saal gefetzt und haben zu lauter Musik getanzt. Krapfen gab es und Apfelsaft. Bunte Papierschnipserl sind durch die Luft geflogen und es war einfach irrsinnig aufregend. So aufregend, dass ich das Spektakel lieber von oben betrachtet habe. Von Mamas Arm aus habe ich eine wesentlich bessere Sicht. Nur für einige Minuten hatte ich festen Boden unter den Füßen. Das war, als Mama gesagt hat, sie kann nicht mehr und ich zu Papa gelaufen bin.

Dann sind wir bald nach Hause. Wo ich bis zum Schlafengehen als kleine Inderin rumgelaufen bin. Weder das Kleid noch den Punkt auf der Stirn wollte ich hergeben. Denn Verkleiden finde ich prinzipiell gut und im kleinen intimen Rahmen halt am besten.

Advertisements

Meine Dosis Bad Bad Leroy Brown.

Ich bin 23 Monate und 13 Tage alt.


Meine Tante musste „Bad, bad Leroy Brown“ am Klavier einstudieren, bei uns zuhause hat sie auch geübt. Mama hat sie dabei gefilmt und somit festgehalten, wie sie sich verspielt und darüber ärgert. Ich liebe dieses Video! Wenn Mama mich ein bissi Handy schauen lässt, dann will ich diesen Clip sehen. So 7 bis 10 Mal hintereinander. Oder eben genau so lange bis Mama sagt, dass jetzt genug ist.

Also hab ich mich darauf verlegt, den Clip nachzuspielen. Mami hat ein bisschen gebraucht, bis sie wusste, dass ich das tue. Erst bin ich nur rumgelaufen und hab „Bäh, Bäh! gesungen und verwunderte Blicke geerntet. Ja, ich kann nun mal Bad, Bad Leroy Brown nicht aussprechen! Dann hab ich ab und an verärgert aufgeschrien – wie meine Tante am Klavier beim Verspielen. Mehr verwunderte Blicke. Schließlich als ich alles zusammen in der richtigen Reihenfolge und das auch noch an unserem Klavier gemacht habe, hat Mama endlich verstanden, dass ich das Video imitiere. Das mache ich jetzt oft. Und wenn ich das nicht mache, will ich den Clip sehen. Und wenn das nicht geht, verlange ich, dass das Lied aus dem Radio kommen soll. Bitte. Das geht nämlich auch und ist insofern eine gute Variante, weil dann kann man dazu herumhüpfen, die Haare schütteln, bis man nichts mehr sieht und sich im Kreis drehen. Die Mama klatscht dann auch dazu und singt mit. Meistens. Heute hat sie nach dem 7. Mal Abspielen von Leroy Brown den Dienst verweigert.

Gut, dass dann Papa nach Hause gekommen ist.

 

Mami! Lachen!

Ich bin 23 Monate und 10 Tage alt.


Ich entdecke immer wieder neue Funktionen auf meinem Handy – das nicht ganz so ausschaut wie Mamas oder Papas, aber immerhin auch Zahlenknöpfe hat und größenmäßig sehr ähnlich erscheint.

Jedenfalls nachdem ich damit bereits telefonieren und auch Nachrichten schreiben kann und will, habe ich nun entdeckt, dass das gute Gerät auch einen Fotoapparat hat! So wie Mamas und Papas Telefone! Das muss ich natürlich sofort anwenden und so gehe ich zu Mama und verlange „Mami! Lachen!“ Das muss sie ein paar Mal hintereinander machen, denn so habe ich das gelernt. Wenn ich dann fertig bin mit Fotografieren, schauen wir uns meine Werke an. Mami findet oft, dass ich sie nicht gut erwischt habe – sie sei einfach nicht fotogen, meint sie. Vielleicht hat sie deshalb nicht immer Zeit zum Fotografieren und so laufe ich eben durch die Wohnung und knipse andere: Panda! Lachen! Hund! Lachen! Mia! Lachen!

Ich habe ein eigenes Zimmer?!

Ich bin 23 Monate und 3 Tage alt.


Bis jetzt dachte ich, mir gehört das ganze Haus. Doch da hab ich mich anscheinend geirrt.

Letztens fordern mich Mama und Papa auf, ihnen nach oben zu folgen, sie wollen mir mein Zimmer zeigen. Ich folge ihnen, obwohl – wie schon zu Beginn erklärt – ich nicht verstehe, wozu ich so etwas brauche. Doch die beiden waren so fröhlich, dass ich getan habe, was man mir sagt – eine Seltenheit, behauptet Mama. Gut war’s! Denn das Zimmer neben unserem Schlafzimmer ist plötzlich ganz anders. Schöner. Bunter. Meiner.

Mir mag also – offiziell – nicht das ganze Haus gehören, ganz offiziell nehme ich aber gerne dieses Zimmer. Da gibt es einen großen Sessel voller Kuscheltiere, ein Regal, aus dem ich alle Boxen ziehen darf, ohne dass ein Elternteil auch nur mit der Wimper zuckt. So lustige runde Papierdinger hängen von der Decke, die kann man drehen und es gibt ein Bett mit einem kuscheligen Eichhörnchen-Polster drauf. Ach, erwähnte ich schon den Teppich vor dem Bett? Auf dem sind Ampeln! Papa fährt mit einem kleinen Auto die Teppichstraßen entlang und wenn er an eine Ampel kommt, schaut er mich an und ich sage „Jot!“. Kurz darauf schreie ich mit nach oben gerissenen Händen „Gün!“ und Papa fährt wieder los. Um vor dem Zebrastreifen wieder stehen zu bleiben, denn da gehen „Leute düber“.

Also ich geb’s zu: Ich mag dieses mein Zimmer. Warum ich ein weiteres Bett brauche, ist mir nicht ganz klar, aber wer beschwert sich schon über eine weitere Springgelegenheit?

Noch Mal!

Ich bin 22 Monate und 22 Tage alt.


Ich liebe meine Bücher. Mehrmals am Tag verlange ich „Schudihopps anschaun“, „Alo anschaun“ oder auch „Panda anschaun“. Wenn Mama oder Papa dann das entsprechende Buch holt, fängt es aber erst an mit den Wiederholungen. Kaum sind wir mit einem Buch durch, verlange ich schon „Noch Mal!“. Denn irgendwie reicht mir ein Mal vorlesen nicht. Ich will das Buch noch Mal anschauen. Und dann vielleicht noch mal. Und manchmal, da will ich schon mittendrin noch Mal. Wenn mir eine Seite besonders gut gefällt, dann will ich sie auch besonders oft hören. Mama sagt dann oft entsetzt „Noch Mal!“. Dazu lässt sie eventuell auch ihren Kopf nach hinten in den Nacken fallen und macht Schnarchgeräusche. Ich lasse mich dadurch aber nicht irritieren und bleib dabei: Noch Mal!

Papa ist da etwas geduldiger, er hat mir einmal die erste Innenseite eines Buches, da wo einfach der Titel, die Autoren und Illustratoren stehen, ganz oft vorgelesen. Ich mochte das einfach. Die auch anwesende Mama hat irgendwann zwischengefragt, ob es denn noch nicht genug sei? Nein, war es nicht. Wie gesagt – Papa ist wahrlich geduldiger als Frau Mama. Ihr Rekord liegt bei gerade Mal 5 Mal hintereinander Biene Maja. Da ist Luft nach oben, meine ich.

Selba!

Ich bin 22 Monate und 20 Tage alt.


Nachdem ich schon selber essen kann, auch wenn ich nicht immer will.
Nachdem ich mir schon selber manchen Schuh aus- und anziehen kann, dann wann ich will.
Und nachdem ich schon total gut selber in meinen Kindersitz im Auto krabbeln kann, nach all dem meine ich, dass ich doch schon viel mehr selber machen könnte.

Und so rufe ich jetzt „selba!“ – das A zum Schluss oft raunzend – wenn mir Mama die Windeln überzieht. Ich will sie selber über den Popsch streifen – mit diesen neuen, die Papa gekauft hat und Mama „Panties“ nennt – geht das schon ganz gut. Ich will die Avocados, die Mama gerade in den Teller ausgeschält hat, zerstampfen, ich will mich selber frisieren und das Spangerl, das in mein Haar kommt, selber aussuchen. Die wunde Nase möchte ich mir selber eincremen, die Jalousien selber runterziehen – genau so wie rauf, die Socken ziehe ich lieber selber aus und überhaupt immer, wo geht, will ich einfach selber.

Nur beim Zähneputzen, wenn Mama mir die Zahnpasta auf meine Zahnbürste drückt, mir die so entstandene Kombination in die Hand drückt und sagt „Bitte, geht schon los.“, da will ich nicht selber. Da gebe ich ihr alles wieder zurück und verlange „Mami-i-i!“

Ich bin so tapfer wie die kleine Eule.

Ich bin 22 Monate und 16 Tage alt.


Es war einmal eine kleine Eule. Die wollte wie die großen Eulen sein, die – swisch, swusch, swasch – durch den Wald flogen und dabei elegant jedem Baum auswichen. Bei der kleinen Eule war von Eleganz leider keine Spur. Sie flog ein Stück und peng gegen einen Baum. Sie rappelte sich auf, flog ein Stück und wieder Peng! Weil das so nicht weitergehen konnte und die kleine Eule endlich mit den großen Eulen majestätisch über den Waldhimmel gleiten wollte, besuchte sie die weise Eulalia. Die half allen Eulen bei Beschwerden jeder Art. Der kleinen Eule riet sie, sie sollte sich frühmorgens die Tautropfen von den Grasspitzen holen und diese dann ins Auge träufeln. Die kleine Eule wartete also bis der nächste Tag anbrach und tat, wie ihr geheißen. Widerwillig – wer tropft sich schon gern was ins Auge! – aber doch tat sie es. Und siehe da! Auf einmal konnte sie mit den großen Eulen durch den Wald gleiten. Kein einziges Mal flog sie gegen einen Baum. Ihr Blick war klar und rein, so dass sie jeden Baum sah, bevor er ihr seine Äste ins Gesicht schnalzen konnte. Und so fiel es der kleinen Eule gar nicht schwer, sich jeden Tag den Tau in die Augen zu tropfen.

So oder so ähnlich hat es mir Mama erzählt und jetzt bin ich – nun ja – nicht so gelassen wie die kleine Eule und tropf mir so mir nichts dir nichts was ins Auge. Aber ich lasse es tapfer über mich ergehen – mit etwas Extra-Zureden von Mama und natürlich nicht ganz ohne Greinen. Aber wie gesagt und trotzdem: tapfer.